Baum des Jahres

Baum des Jahres: Die Europäische Stechpalme

Die auch im Winter grüne Europäische Stechpalme wurde von der „Baum des Jahres Stiftung“ zum Baum des Jahres 2021 gekürt. Botanische Laien halten sie oft für einen Strauch oder Ziergehölz, aber anhängig von den Lichtverhältnissen kann sie auch zum stattlichen Baum werden.

Die Stechpalme wird in einigen Regionen Deutschlands wegen ihrer stachligen Blätter auch Walddistel oder Christusdorn genannt. Sie besitzt für den Menschen nicht bekömmliche Blätter und Beeren. Über die tatsächliche Giftigkeit für den Menschen ist die Forschung sich aber noch nicht ganz einig. Eine weitere wichtige Eigenart der Stechpalme ist ihre unvollständige Zweihäusigkeit: Es gibt weibliche und männliche Bäume. Weil die weiblichen und männlichen Blüten aber noch reduzierte Organe des jeweils anderen Geschlechts besitzen, kommt es vor, dass weibliche Pflanzen ohne Bestäubung Früchte, knallrote und mehrsamige Steinfrüchte, entwickeln. Stechpalmen können als ausgewachsene Bäume eine Höhe von zehn bis zwölf Meter erreichen. Diese Größe erreicht sie aber nicht innerhalb von dichten Wäldern, sondern nur in offeneren Biotopen wie Weidelandschaften und Hudewäldern.

Foto: Rainer Städing

Die „Baum des Jahres Stiftung“ begründete die Wahl der Stechpalme damit, dass sie ein Erfolg des Artenschutzes ist und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sieht sie als „wichtigen Bestandteil unseres Ziels, den Umbau unserer Wälder zu klimaangepassten Mischwäldern weiter voranzubringen“. In der Tat ist die Stechpalme eine Gewinnerin des Klimawandels, denn mittlerweile kommt die an ein feucht-gemäßigtes Klima angepasste Pflanze auch in einst für sie zu kühlen und trockenen Regionen Europas vor, beispielsweise im südlichen Skandinavien oder in Teilen Osteuropas. Biogeografisch gilt sie als Musterbeispiel für extreme Klimaabhängigkeit, denn sie kommt nur in den Gebieten Europas, der Atlasländer und der Kaukasusregion vor, in denen an mindestens 345 Tagen im Jahr eine Temperatur von mindestens 0 Grad herrscht – und die liegen insbesondere in küstennahen Regionen mit ausgeprägtem Meeresklima. Nachdem die Bestände der Stechpalme in Deutschland in den vergangenen Jahrhunderten aufgrund ihrer Beliebtheit als Pflanzenschmuck für Weihnachten und Palmsonntag drastisch reduziert wurden, hat sich die Art wieder erholt und breitet sich innerhalb Mitteleuropas immer weiter nach Osten aus.